Korrekte Restaurierung

 

Fragen, die man sich stellen sollte, bevor man eine BMW  R75 kauft.

Antworten, die es ermöglichen, sich Enttäuschungen, Zeit Energie und .... Geld zu ersparen!

Habe ich mich im Vorfeld eingelesen und kenne ich dieses Motorrad genau, um zu wissen, welches Endprodukt ich erhalten will?

Es ist nötig alle möglichen Bücher zu lesen, um eine genaue Kenntniss der R75 zu besitzen.

Kenne ich einen Experten, der mir beim Kauf beisteht und der mich berät?

Es könnte sich auszahlen, sich einer Person anzuvertrauen und diese auch zu bezahlen... bevor diese Person vom Verkäufer angeheuert wird.

Zu welchem Zweck möchte ich das Motorrad restaurieren? Zum Ansehen, um kleine Ausflüge zu machen, oder um wirklich damit zu fahren?

Da dies das fundamentale Kriterium einer Restaurierung ist, muss man das mit sich selber klären, bevor man mit der Arbeit beginnt.

Ist die R75 die ich gesehn habe ein Trümmerhaufen aus Osteuropa?

Wenn das Motorrad genau untersucht worden ist und ihr Preis dem Zustand angemessen ist (12/18.000), könnte dies die beste Möglichkeit sein, um anfänglich wenig auszugeben und danach sich das Motorrad so herzurichten, wie man will.

Wurde das Motorrad in Italien oder in Europa in den 70er-90er Jahren restauriert?

Da sie schon teurer sind (18/28.000) sind sie finanziell gefährlich, da sie trotzdem eine vollständige mechanische Restaurierung benötigen und eine vollständige Revision der Karosserieteile.

Wurde das Motorrad gerade perfekt von Profis restauriert?

Wenn man sicher sein kann, dass der Verkäufer ernst zu nehemen ist und man über die nötigen Mittel verfügt (28/38.000 .... und mehr) kann dies die beste Lösung sein.

Wurde das Motorrad kürzlich in Polen oder Ungarn restauriert?

Außer in genau zu bestimmenden Fällen, könnte dies nicht die beste Möglichkeit sein.

 

 

Habe ich mich vergewissert, dass es sich nicht um eine voellig ueberrestaurierte R75 handelt?

Das ist ein wichtiger Schritt, wenn man nicht eine R75 will, wie jene von Tamjia im 1:1 Maßstab

Ist das Motorrad vollständig? Was fehlt? Funktioniert es? Welche Originalbestandteile hat es?

Es ist wichtig diese Sachen vor dem Kauf zu überprüfen.

Sind die Bestandteile des Motorrads absolut kongruent zur Version, die von der Fahrgestellnummer beschrieben wird?

Die Evolution der R75 in den Baujahren 1941 – 1944 sieht nämlich die Aufnahme von verschiedenen Komponenten der Karosserie und der Mechanik vor,  die sich immer auf die Fahrgestellnummer beziehen.

Sind die Eingravierungen mit Originalnummern,  etwa alle drei Nummern gleich, so als ob das Motorrad erst heute aus der Fabrik gekommen wäre (Rahmen-Motor-SW Rahmen)?

Das Vorhandensein der Originalnummern zumindest auf dem Fahrgestell, aber auch auf dem Motor und auf dem Beiwagenrahmen ist immer wünschenswert. Sicher, wenn sie  Nummerngleich wäre, wie ursprünglich, wäre dies gewiss ein Mehrwert, da diese Motorräder heute sehr selten sind.

Wurden die Originalnummern mit Büronummern oder Fantasienummern ausgetauscht, oder wurden sie von anderen kopiert?

In der unmittelbaren Nachkriegszeit wurden viele R75 mit einer neuen Seriennummer versehen, um sie im Verkehrszivilregister einzuschreiben. Diese neuen Einstanzungen wurden vom Staat realisiert, teilweise parallel mit den Originalnummern, teilweise jedoch wurden die alten Nummern überschrieben. Wenn diese Numerierungen in den Dokumenten stehen und diese Motorräder im  Oeffentliches Fahrzeugregister eingeschrieben sind, ist alles in Ordnung. Wenn es sich jedoch um Fantasienummern (ohne staatlicher Einstanzung), oder, noch schlimmer, um Duplikaten aus der Originalskala handelt (diese haben eine andere Schriftart und Größe), rate ich vom Kauf ab.

Hat das Motorrad die Dokumente und habe ich eine Einsichtnahme gemacht, um mich zu vergewissern, dass die dort eingetragenen Daten mit jenen auf dem Motorrad übereinstimmen?

Wenn das Motorrad die Papiere und eine Kenntafel hat, ist es wichtig, die Richtigkeit der Nummern  und die Übereinstimmung der technischen Daten zu überprüfen, vor allem bei den italienischen, handgeschriebenen, Fahrzeugschein.

Kann ich, insofern das Motorrad keine Kenntafel und kein Fahrzeugschein hat, eine Neuzulassung bei der Motorisierung verlangen, um diese zu bekommen?

Ja es ist möglich. Dafür muss man folgendes vorweisen:  das technische Datenblatt, welches man beim ASI oder beim FMI bekommt, oder ein staatlich anerkanntes Dokument, das dessen Herkunft beurkundet, oder ein italienisches oder europäisches Dokument, worin die frühere Kenntafelnummer bescheinigt ist. Hierbei ist natürlich ein rechtlicher Besitzschein vorzuweisen.

Wer kann mein Motorrad restaurieren? Was kann ich selber machen?

Es gibt im Ausland oder auch in Italien viele junge Liebhaber mit einer optimalen Vorbereitung und Erfahrung, an die man sich bei jenen Eingriffen wenden kann, für die man sich zu unsicher ist.

Weiß ich, wo ich die nötigen Bestandteile auftreiben kann, Nachahmungen oder Originale und kenne ich deren Qualität und Preis?

Bevor man sich anschickt Nachahmungen von Mechanik- und Karosseriebestandteilen zu kaufen, ist es notwendig, die Qualität und den Preis zu kennen, um keine vermeidbaren Fehler zu machen. Hierbei ist es auch wichtig zu wissen, welchen Nutzen man vom Motorrad machen will. Falls man ein, von der Mechanik her, effizientes Motorrad haben will, das auch einen hohen Anteil an Originalität aufzuweisen hat, muss man sich zumindest einer mittelmäßigen bis hohen Mechanik anvertrauen. Dazu muss man sich aus dem Ausland diejenigen Karosseriebestandteile anschaffen, die für die eigenen Taschen akzeptabel sind, insofern sie natürlich auffindbar sind.

Ich möchte, dass jedes einzele Karosseriestück original sei (bestenfalls mit einer originalen Lackierung).

Dies ist möglich, insofern man viel Zeit, Recherchen und Geld aufbringen kann und will. Letzteres ist natürlich auch ein wichtiges Detail, für jedem, der so einem Konzept fogt.

Hab ich andere Motorräder im Verkauf, bei Treffen, oder bei Freunden gesehen, um notwendige Vergleiche aufzustellen?

Der Vergleich ist in der Anfangsphase beim Studieren wichtig, aber auch in der Phase der Restaurierung selbst, ist es wichtig, Vergleiche aufzustellen, um nicht die gleichen Fehler wie andere zu begehen. Bei einer Restaurierung die von sich aus schon teuer ist, kann dies ein wichtiges Ersparnis sein.

Welche farbe muss mein Motorrad haben? halbmattoder matt? Muss ich spezielle Farben kaufen, die mir von den Verbänden vorgeschrieben werden, an denen ich mich wende, um das  technische Datenblatt zu bekommen?

Die Farbe muss derjenigen entsprechen, die von der Fahrgestellnummer vorgesehen ist. Die Farbe „wehrmachtsgrau“ (der Farbton ist vom OKW kodifiziert) und „dunkelgelb“ (dieser Farbton ist vom OKW generisch so genannt worden, d.h.: mit den zur damaligen Zeit vorhandenen Farbtönen) waren halbmatt. Die grauen Motorräder wurden, nachdem sie schon auf verschiedenen Fronten benutzt wurden, ab 1.1. 1943 mit verschiedenen Farbtönen von Soldaten in dunkelgelb umlackiert, was den Motorrädern einen porösen und matten Ton gab. Auch andere Tarnfarben wurden über das Gelb lackiert. Das von der DAK benutzte Gelbrosa hat nichts mit dem Dunkelgelb zu tun, das auf dem Kontinent benutzt wurde. Wenn es über die graue Lackierung keine Zweifel gibt,  gibt es allerdings für die Gelbe keine Kodifizierung. Da diese nicht von der OKW erteilt wurde, kann sie noch weniger von diversen Oldtimervereinen 70 Jahre später nachgeholt werden!

Welche Zubehörteile soll ich  einbauen?

Natürlich die 3 Motorradtaschen. Wenn man einen originalen Seitenwagen (Krad B2) besitzt und dieser die Löcher für das Vordergestell der MG (oder die seitlichen Löcher für den Transport der MG) hat müssen auch diese Zubehörteile montiert werden. Andererseits ist es nie ethisch korrekt einen Originalzustand mit weiteren Bohrungen zu verändern. Es ist eine persönliche Entschiedung, die ich jedoch nicht teile, die Anhängerkupplung einzubauen, vorallem nicht um den Infanteriekarren IF8 zu ziehen, der nie von der R75 geschleppt wurde.

Bin ich im Klaren, dass dieses deutsche Kriegsmotorrad 4 Jahre Militärdienst und mindestens 30 Jahre als Zivilmotorrad miterlebt hat und deshalb praktisch nicht jungfräulich sein kann?

In der Tat ist es unmöglich eine R75 in totalem Originalzustand zu finden. Es gibt zwar einige, die teilweise noch original sind, aber jenen Märchen zu glauben, dass es eine perfekte R75 irgendwo in Osteuropa gibt, ist sinnlos!

Weiß ich, dass dieses Motorrad vor 70 Jahren konzipiert und gebaut wurde und ich deshalb einige Probleme mit Elektrik und Mechanik haben werde?

Auch wenn man viel Geld in deutsche oder schweizer Mechanik investiert und sich von den größten Spezialisten in Europa bedient, um ein bestmögliches Produkt zu erzielen, kann die R75 trotzdem einigen Ärger verschaffen, da sie sehr komplex und delikat ist. Andererseits kann aber auch eine neue Ducati aus dem Konzessionär Probleme aufweisen!

Wie soll ich mein Motorrad kaufen? Noch komplett zu restaurieren, halbfertig oder bereit zum fahren?

Wir haben diese 3 Optionen schon besprochen und die Antwort hängt von den eigenen Kenntnissen, Fähigkeiten aber natürlich auch von den eigenen finanziellen Möglichkeiten ab.

Wie viel Zeit werde ich brauchen?

Dies hängt von vielen Faktoren ab: die Klarheit meiner Ideen und wie viel Zeit, Energie und Geld ich investiere. Wenn einem alles zur Verfügung steht, kann man in einem Monat schon eine perfekte Restaurierung haben... aber es kann auch Jahre dauern!

Wie viel Geld wird mir dieses Motorrad kosten?

Dies hängt von den Antworten ab, die sich jeder potentielle Käufer auf meine hier gestellten Fragen gegeben hat. Ein schönes und effizientes Motorrad, so original wie möglich, das der Fahrgestellnummer entspricht und korrekte Dokumente besitzt und das einem für mehrere tausende Kilometer ein treuer Begleiter sein wird hat keinen Preis!